Die Grundlagen einer gesunden Beziehung

zwischen Eltern und Kind


Stefan Hetterich  




Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.


Ich erinnere mich noch genau an den Moment,

als meine erste Tochter von der Hebamme in meine Arme gelegt wurde.


Dieses zarte und zerbrechliche und wunderbare Menschlein.

Die kleinen Hände, die sich suchend in die Luft reckten, um Halt zu finden.

Der kleine Mund, der sich bereits auf die Suche nach Nahrung machte.

Die Augen, die versuchten, die Welt zu erkennen und zu greifen.


Es war der Augenblick, in dem ich wusste: Ich bin da für dich. Du kannst dich auf mich verlassen.

Ich halte dich und will mit dir gemeinsam die Welt entdecken.


Es waren eigentlich drei Geburten.

Es war die Geburt unserer Tochter.

Es war die Geburt einer Mutter.

Und es war meine Geburt als Vater.


In diesem Moment wurde ein Kind geboren.

In diesem Moment gab es auch die Geburt zweier Eltern.


Von nun an würde meine Frau eine Mutter sein und ich ein Vater für unser Kind.

Und es gab diese Augenblicke, in denen es mir völlig klar war, welcher Vater ich sein wollte.


Eltern-Sein lernst du nicht von deinen Eltern.

Eltern-Sein lernst du von deinen Kindern.


Was waren deine inneren Leitsterne, die für dich als Mutter / als Vater unumstößlich gelten sollten?


Was sind die wesentlichsten Grundlagen einer gesunden Beziehung zwischen Eltern und Kind?


Intuitiv wissen wir von Anfang an, worauf es ankommt und was unsere Kinder brauchen.


Aber finden wir auch die richtige „Mischung?“

Das Rad einer gesunden Beziehung zwischen Eltern und Kind


Ein Rad kann sich drehen und läuft rund – aber nur wenn alle Speichen gleich lang sind. Genauso läuft die Beziehung zwischen Eltern und Kind rund, wenn wir zu einer ausgewogenen Balance zwischen verschiedenen Grundprinzipien finden.

Sobald eine der Speichen zu lang oder zu kurz geraten ist, fängt das Rad der Eltern-Kind-Beziehung an zu „eiern“. Es gibt viele Bestandteile und Speichen dieses Rades.


Die wichtigsten 5 Prinzipien, auf die du achten solltest, sind:

  • der eigene Halt
  • Versorgen
  • Verständnis
  • Grenzen
  • Fördern
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1. Der eigene Halt

Ich beginne gleich mit der Speiche, die viele Eltern „vergessen“.


Eigene Bedürfnisse, die für die Balance und innere Stabilität als Mutter oder Vater sorgen können, sind absolut wichtig.

Je stabiler du als Mutter oder als Vater in deinem eigenen Leben bist, um so mehr Stabilität kannst du deinem Kind mitgeben.

Eine gesunde Beziehung zum eigenen Kind beginnt bei der „Selbst-Fürsorge“.


Was machst du, damit es dir selbst gut gehen kann?


Welche Personen sind für dich wichtig?


Welche Hobbys solltest du weiterverfolgen (oder wiederbeginnen), damit du dich selbst in Balance fühlst?


2. Versorgen

Die zweite Speiche im Rad einer gesunden Beziehung zwischen Eltern und Kind ist natürlich das Versorgen deines Kindes.

Hierzu gehören neben dem selbstverständlichen Versorgen mit Nahrung und Kleidung auch das "Versorgen" mit wertvollen Kontakten.


Hat dein Kind Kontakte zu Gleichaltrigen?


Darf es deine Herkunftsfamilie oder die deines Partners erleben?

 

Kann es die Wurzeln der Familie erfahren und spüren?

Gibt es regelmäßige Treffen mit den Großeltern? 


In den grundlegenden Bedürfnissen versorgt zu sein, gibt deinem Kind den nötigen Halt.


3. Verständnis

Erlebt sich dein Kind von dir verstanden? Weiß dein Kind, dass es zu dir kommen kann – egal was es draußen in der Welt erlebt hat und du ein offenes Ohr für dein Kind hast?


Vielleicht kennst du das, nur mit halbem Kopf und halbem Ohr bei deinem Kind zu sein?

Oft hören wir nur so weit zu, bis wir das Erlebnis unseres Kindes irgendwie einsortieren können und kommen dann mit allgemeinen Weisheiten – ohne dass wir wirklich verstanden haben, worum es unserem Kind geht.


Ein Beispiel: Warum ist dein Kind an diesem Computerspiel interessiert?

Hat es dadurch die Erfolgserlebnisse, die ihm sonst fehlen?

Hat es dadurch in der Klasse die Möglichkeit mitzureden?

Ist es daran interessiert, weil es im Spiel andere „treffen“ kann?

Will es unbedingt dieses Spiel, weil es so seinen eigenen Willen zeigen kann und sich mit dir „auseinandersetzen“ kann?


Wie du siehst, geht es selten um etwas, das von vornherein klar ist.

Es gibt viele mögliche Beweggründe.


Gehe dem Ganzen auf den Grund und versuche zu verstehen.


Dabei gilt:


Kinder kennen ihre Wünsche, aber nicht gleich ihre Bedürfnisse.


Der Wunsch des Kindes ist in unserem Beispiel das Computerspiel.

Das Bedürfnis, das dahintersteckt ist möglicherweise die Sehnsucht nach Anerkennung unter den Gleichaltrigen.

Wir als Eltern sollten die Bedürfnisse sehen und weniger die Wünsche. 

Wenn du dich bemühst, dein Kind zu verstehen, kannst du dich mit deinem Kind auf die Suche machen, wie es sein Bedürfnis befriedigen kann. Vielleicht passt dazu das gewünschte Computerspiel, vielleicht bleibt aber das Spiel dennoch tabu und ihr macht euch gemeinsam auf die Suche nach anderen Wegen.


4. Grenzen

Am Nein können Kinder wachsen.


Eines der wichtigsten Wörter, die Kinder hören müssen, ist das „Nein“.


Wenn sich dein Kind in seinem Bedürfnis verstanden fühlt, kann das Nein absolut hilfreich sein.


„Ich sehe, wie wichtig es dir ist, dass die anderen aus deiner Klasse dich mögen.

Aber das Computerspiel erlaube ich dir nicht.“ – So eine Aussage ist für das Kind absolut hilfreich.


Es kann sich verstanden fühlen und erlebt eine Grenze als haltgebend.


Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.

Sie brauchen die Vorgabe durch die Eltern, wie die Welt funktioniert.


Sie lernen Frust auszuhalten und neue Wege zu finden.


5. Fördern

Kinder brauchen die Möglichkeit, die Welt zu entdecken.


Dazu gehört das freie Spiel, genauso wie der Schulbesuch oder die Möglichkeit, sich bewegen zu können.


Wenn dein Kind von dir den nötigen Halt bekommen hat und sich emotional aufgefangen weiß, dann steht einem Entdecken der Welt nichts mehr im Weg.


Gib deinem Kind die Chance, sich entwickeln zu können – kognitiv, motorisch und sozial.


Gib deinem Kind eine Neugier auf die Welt und andere Menschen mit.


Dann steht einer gesunden Entwicklung nichts mehr im Weg.


Manchmal passiert es, dass diese Grundlagen ungleich verteilt sind.


Es gibt Kinder, die sind unglaublich gut gefördert, haben aber nicht die nötigen Grenzen, die sie wachsen lassen.


Oder es gibt Kinder, die sich emotional aufgefangen und verstanden fühlen, aber innerlich an ihr Zuhause gebunden sind und die Welt nicht entdecken können.


Wie sind die „Speichen“ deines Beziehungsrades?


Welche Speiche ist stärker, welche ist schwächer ausgeprägt?


Wie lassen sich diese dünneren Speichen verstärken?



Dein Stefan Hetterich


therapie2go

Für psychisch gesunde Kinder


Denn Verständnis ist der Schlüssel zur Veränderung