Dein Elternkompass

Bindungsmuster

Darum geht es heute

Heute lernst du die vier unterschiedlichen Bindungsmuster von Kindern kennen, die eine Auswirkung auf Bindungen und Beziehung zu anderen Menschen im Leben haben.

Die vier Bindungsmuster

Diese Muster unterscheiden sich dadurch, wie sehr das Kind den „sicheren Hafen“,
also die Regulation durch die Eltern nutzt, wenn es gestresst ist.

Gestresst sein heißt, es passiert etwas Ungewöhnliches, irgendetwas, was das Kind verarbeiten muss.

Die Bindungsforschung hat dazu Untersuchungen mit Trennungssituationen gemacht. Kinder im Alter von 1 Jahr wurden für kurze Zeit mit einer ihnen fremden Person in einem Raum allein gelassen. Beobachtet wurde, ob die Kinder sich von der fremden Person trösten ließen und wie sie auf ihre Mutter reagierten, als diese wieder zurückkam. Diese Trennungssituation ist natürlich in dem Alter absolut stressig. Von dem her wird damit automatisch das „Bindungssystem“ aktiviert.

Die Forscher haben festgestellt, dass es vier verschiedene Bindungsmuster gibt:

Sicher gebundene Kinder

Ungefähr 55-65 Prozent aller Kinder sind sicher gebunden

  • Sicher gebundene Kinder nutzen die Hauptbezugsperson als sicheren Hafen
  • Bindung und Autonomie sind in Balance.
  • Die Kinder fühlen sich wohl, wenn ihre Bezugsperson in der Nähe ist und erkunden die Umgebung aktiv.
    Das heißt, sie haben nicht das Gefühl, noch in der Nähe ihrer Bezugsperson bleiben zu müssen,
    sondern können unbefangen ihrem Erkundungsdrang nachgehen und den Raum „kennenlernen“.
  • Wenn sie gestresst sind, suchen sie Trost bei ihrer Bezugsperson und lassen sich beruhigen,
    so dass sie dann wieder mit der Erkundung der Umgebung beginnen können.

Unsicher vermeidend gebundene Kinder

Unsicher-vermeidende Kinder machen ca. 15-20% aller Kinder aus.

  •  Bei unsicher-vermeidend gebundenen Kindern überwiegt die Autonomieseite.
  • Diese Kinder zeigen nach außen hin wenig emotionale Reaktion auf die Anwesenheit oder Abwesenheit der Bezugsperson. Sie wirken so, als ob sie ihre Autonomieseite ganz stark ausleben und bleiben im Spiel, selbst wenn Mutter bzw. Vater den Raum verlassen.
  • Die Kinder vermeiden den Kontakt und scheinen „unabhängig“ zu sein. Cortisolmessungen zur Überprüfung des Stresslevels zeigen jedoch, dass auch diese Kinder durch die Trennungssituation sehr belastet sind, aber sie zeigen es nicht oder kaum.
  • Möglicherweise zeigen vermeidende Kinder auch wenig emotionale Reaktion, wenn Mutter bzw. Vater wieder zurückkommen.

Unsicher ambivalent gebundene Kinder

Unsicher-ambivalente Kinder machen ca. 10-15% aller Kinder aus.

  • Die Bindungsseite dieser Kinder überwiegt.
    Die Kinder zeigen Angst vor der Erkundung und sind ganz unsicher in Bezug auf die Reaktion der Bezugsperson.
  • Sie haben oft Schwierigkeiten, sich von der Bezugsperson zu trennen und suchen gleichzeitig stark deren Nähe.
  • Die Rückkehr der Bezugsperson nach der Trennungssituation löst möglicherweise gemischte Gefühle aus:
    das Kind ist zögerlich, kann aber auch wütend sein.

Desorganisiert gebundene Kinder

Desorganisation zeigt sich bei ca. 10 % der Kinder.

  • Dieses Bindungsmuster wird als eine Kombination von unsicher-vermeidendem und unsicher-ambivalentem Verhalten betrachtet.
  • Die Kinder zeigen uneindeutiges oder unvorhersehbares Verhalten in stressigen Situationen.
  • Es kann vorkommen, dass das Kind z.B. bei der Rückkehr seiner Bezugsperson zu ihr hinläuft, dann abbremst und plötzlich umdreht und wegrennt.

Was denkst du? Welches Bindungsmuster hat dein Kind am wahrscheinlichsten?

So entwickeln sich diese Bindungsmuster

Bindungswaage

Bindungsmuster entwickeln sich durch das Miteinander zwischen Eltern und Kindern, insbesondere in den ersten Lebensjahren. Das heißt, euer Miteinander aus der Anfangszeit hat sich stark auf das Bindungsmuster deines Kindes mit ausgewirkt.

Dabei entstehen sie völlig unbewusst. Unsere eigenen Bindungsmuster, die wir von unserem Kontakt zu unseren Eltern mitbekommen haben, wirken sich unbewusst darauf aus, wie wir die Kommunikation und das Miteinander mit unseren eigenen Kindern gestalten. Unbewusst heißt, dass wir uns nicht darüber im Klaren sind, was wir machen, wenn wir unser Kind auf die eine oder andere Art behandeln.

Vielleicht ist es so, dass du an dieser Stelle etwas unzufrieden mit dem Bindungsmuster bist, das du bei deinem Kind vermutest. Da diese Muster unbewusst ablaufen, hattet ihr keine andere Möglichkeit als euren Kontakt genau so zu gestalten und es ist völlig in Ordnung.

Wichtig für heute

Wichtig ist für diese Woche, dass du dir klar machst, ob bei deinem Kind eine der beiden Seiten, Bindung oder Autonomie, zu kurz kommt. Sind die beiden Seiten bei dir und deinem Kind in Balance oder vermutest du, dass es eine der beiden Seiten nicht ausreichend auslebt?

Wenn du also beispielsweise denkst, dein Kind klammert sehr und traut sich oft zu wenig, die „Welt“ zu entdecken. Es ist wie ein Boot, das am liebsten immer im Hafen bleibt, dann bleibt die Frage, wie du die Autonomieseite fördern könntest? Wie könntest du seine Neugier auf bestimmte Sachen wecken oder ihm einfach die Sicherheit mitgeben, dass es in Ordnung ist, den „Hafen“ zu verlassen?

Oder ist es andersherum und dein Kind vermeidet auf irgendeine Art seine Bindungsbedürfnisse? Vielleicht weil es sich dann schwächer fühlen würde? Wie kannst du ihm dann vermitteln, dass du ein „Hafen“ bist. Wie kannst du ihm anbieten, mit eigenen Themen und Schwierigkeiten zu dir zu kommen? Wie kannst du ihm klarmachen, dass du bereitstehst mit all deiner mütterlichen / väterlichen Unterstützungskraft? So dass es doch mal erzählt, was es in der Schule erlebt hat und wie es sich eigentlich mit den anderen in der Klasse versteht?

Vielleicht hast du schon Ideen, was für dein Kind nötig ist.

Falls nicht, ist das auch völlig in Ordnung.
Denn es geht erstmal darum, festzustellen: Wo steht ihr in eurem Miteinander? Was ist da? Was fehlt?

Herzlichen Glückwunsch!
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Nächste Woche geht es weiter...

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